Willkommen im Kosmos der Springspinnen

Spinnen!? Springspinnen um genau zu sein. Versucht eure Arachnophobie zu überwinden und begleitet mich auf eine Reise in die faszinierende Welt der Springspinnen. Vielleicht gelingt es mir, euch ein klein wenig mit meiner Faszination für diese Geschöpfe anzustecken.

Diese kleinen Wunder der Evolution sind an Vielfalt kaum zu übertreffen. Über 5’500 bekannte Arten, und vermutlich hunderte noch unentdeckte, bieten ein wahres Paradies für Makrofotografen und Wissenschafter. Im folgenden erfahrt ihr einige wissenswerte Fakten:


Was sind Springspinnen?

Springspinnen sind zwischen 2 mm und 22 mm klein und für den Menschen völlig ungefährlich. Mit ihren Giftklauen vermögen die meisten Arten unsere Haut nicht zu durchdringen. Grössere Arten wie "Hyllus"- oder einige "Phidippus"-Arten können in seltenen Fällen die Haut verletzen, was etwas schmerzhaft ist, jedoch keine bleibenden Schäden verursacht. Sie gehören zu der Ordnung der Webspinnen und bilden darin mit ihren über 5'500 Arten die grösste Familie, die "Salticidae".

Im Gegensatz zu den echten Webspinnen bauen Springspinnen keine Netze um Beute zu fangen. Sie nutzen ihre Spinnenseide um Schlafgespinste und Eikokons zu bauen, aber auch als Sicherungsseil bei ihren Sprüngen. Die Bezeichnung Springspinnen verdanken diese kleinen Kobolde ihrer Jagdstrategie. Der Beute wird aufgelauert oder sie wird regelrecht gejagt, um mit einem gezielten Sprung gepackt und einem Giftbiss getötet zu werden.

Haupterkennungsmerkmale sind die charakteristischen vorderen Augenpaare  "oOOo" dieser Spinnenfamilie, der meist gedrungene Körperbau und die eher kurzen, kräftigen Beine.



Beeindruckende Sinnesleistung

Springspinnen verfügen über einen ausserordentlich gut entwickelten Sehsinn, was für ihre Jagdmethode und das Paarungsritual von grundlegender Bedeutung ist. Mit den zwei Frontalaugenpaaren vermögen Springspinnen auch kleinste Details zu erkennen. Die seitlichen und hinteren Augenpaare nehmen hauptsächlich hell/dunkel und Bewegung wahr, und ermöglichen eine beinahe 360° Rundumsicht.

Für den Fangsprung der Beute vollbringen Springspinnen wahre rechnerische Meisterleistungen. Nicht nur muss die Distanz zur potentiellen Mahlzeit richtig eingestuft werden, es müssen auch Umwelteinflüsse wie Wind und Hindernisse erkannt werden. 

Die Hauptaugen der Springspinnen verfügen über mehrere Netzhautschichten die in beweglichen Sehtrichtern mit justierbaren Linsen sitzen, die wie ein Teleobjektiv wirken. Die einzelnen Schichten sind sensitiv für verschiedene Wellenlängen des Lichts,  wobei nur die Unterste ein scharf fokussiertes Bild zeigt. Die darüber liegende Netzhaut hingegen zeigt ein leicht unscharfes Bild. Aufgrund der Schärfedifferenz zwischen den verschiedenen Fokusebenen wird die Distanz für den Sprung bestimmt. Erstaunlich wenn man bedenkt, dass der Kopf einer Springspinne kleiner ist als der einer Stecknadel.


Der Sprung ins Glück

Der Sprung erfolgt nicht durch Muskelkraft, sondern hydraulisch. Der Druck der Körperflüssigkeit (Hämolymphe) wird erhöht und schlagartig in die Sprungbeine geleitet. Diese strecken sich dadurch innert weniger 1/1000 Sekunden und lösen den Sprung aus. Durch variieren des Druckes wird die Sprungdistanz gesteuert. Diese kann ein vielfaches der Körperlänge betragen.  

Die meisten Springspinnenarten sichern ihren Sprung mit einem Seidenfaden der am Untergrund verankert wird. Flüchtet die Beute, oder verfehlen sie das Ziel, können sie daran zum Ausgangspunkt zurück klettern.

Es wird auch vermutet, dass der Seidenfaden zur Stabilisierung der Fluglage während des Sprungs dient, damit die Beute optimal angesprungen und gepackt werden kann.

Der Beutefang

Ist das potentielle Opfer einmal anvisiert wird es verfolgt bis die Sprungdistanz erreicht ist. Die Springspinne hält kurz inne um ihr Sicherungsseil zu verankern, dann setzt sie zum Sprung an. Sobald Kontakt mit der Beute gemacht ist, beisst die Spinne sofort zu und injiziert ihr schnell wirkendes Gift.

Dem Opfer bleibt kaum Zeit zu reagieren, das Gift macht es beinahe sofort bewegungsunfähig, was jeden Fluchtversuch unterbindet. Ein weiterer wichtiger Faktor der das Jagdverhalten der Springspinnen erst ermöglicht. Die Beute kann dabei durchaus viel grösser sein als die Spinne selbst.

Die Präferenzen bei den Beutetieren variieren von Art zu Art. Von Fliegen, Faltern und Ameisen über Insektenlarven bis zu anderen Spinnen findet jede Springspinnenart ihre Nische. Die verblüffend vielfältigen Jagdstrategien spiegeln dies wider. Eine Art hat sich z. B. darauf spezialisiert netzbauenden Spinnen die Mahlzeit zu stehlen, und falls nicht vorsichtig genug, den Eigentümer gleich mit; eine andere wiederum bevorzugt Moskitos, die kürzlich Blut gesaugt haben.


Wachstum

Springspinnen besitzen wie alle Gliederfüssler (Arthropoden) ein Exoskelett, das den Körper und die Beine fest umschliesst. Normales Wachstum ist daher nur sehr bedingt möglich. Um wachsen zu können müssen sie sich häuten. 

Wird der alte Schutzpanzer zu eng klappt der Rückenschild wie ein Deckel ab, der Druck der Körperflüssigkeit (Hämolymphe) wird erhöht und in den Vorderkörper gepumpt bis die alte Hülle an den seitlichen Rändern aufplatzt. Danach wird der Hinterleib befreit und schliesslich, unter grosser Kraftanstrengung, die Beine aus ihren Hüllen gezogen. Der ganze Prozess dauert einige Minuten.

Die nun frische Spinne vollführt während der Aushärtung des neuen Gewandes eine Gymnastik um die Gelenke beweglich zu halten. Dieser Häutungsprozess wird bis zur Reife der Springspinne fünfmal vollzogen. Im Nymphenstadium ist die Frequenz zwischen den Häutungen sehr kurz und nimmt mit zunehmendem Alter, abhängig vom Nahrungsangebot ab.



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